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Hauptburgenname Sitzendorf
ID 1124
Objekt Ansitz|Turmhof|Dorfturm, stark umgebaut
Adresse A-3714 Sitzendorf an der Schmida, Hauptplatz 1
KG Sitzendorf
OG/MG/SG Sitzendorf an der Schmida
VB Hollabrunn
BMN34 rechts 721250
BMN34 hoch 384661
UTM 33N rechts 538938
UTM 33N hoch 5395812
Link auf NÖ-Atlas Lage auf Karte im NÖ-Atlas ...
Geschichte Der Ort, gleichzeitig die Pfarre erscheinen bereits 1141 in einer bischöflich-Passauer Urkunde. Später sind die Gfn. v. Ortenburg örtlich begütert. Als deren Lehensträger treten bereits im 12. Jh. die Kuenringer auf, denen um 1230 ein Ausbau des Siedlungsverbandes zugeschrieben wird. Während des 12. und 13. Jhs. sind Gefolgsleute der Kuenringer nachweisbar, die sich nach Sitzendorf nennen, so bereits 1150 Gunther und Erbo "de Sicendorf". Weitere Sitzendorfer, die sich wiederholt in der Umgebung der Kuenringer finden, sind bis in das 14. Jh. nachweisbar. In dieser Zeit, als der Besitz bereits landesfürstliches Lehen ist, finden sich auch andere Adelsfamilien hier begütert, so z. B. die Dachsberger und Maissauer. Die Hft. Sitzendorf wird in der Folge an die Malzkasten verliehen, 1376 nennt sich "Jans der Malczchast" nach dem Ort. 1394 wird in einem Lehensrevers auch die "Veste Siczendorff" (HHStA, Urk., 1394 III 12) genannt. Im frühen 16. Jh. gelangt die Hft. an die Hrn. v. Roggendorf, die 1590/91 auch die Ortsobrigkeit innehaben. 1613 erscheint Catharina v. d. Golz, eine geborene Landau als Inhaberin der Hft. Den Landau folgen 1648 die Sintzendorf, 1681 die Dietrichstein und 1870–1895 die Gfn. Schönborn-Buchheim. Das Schloss selbst wurde bereits 1876 von der Gemeinde erworben, noch heute ist der Bau im Eigentum der MG Sitzendorf und beherbergt die örtliche Hauptschule.
Text G.R., T.K., K.Kü.
Lage/Baubeschreibung Das ehem. Schloss von Sitzendorf bzw. ein Nachfolgebau des Schlosses, heute die Hauptschule, Sitzendorf Nr. 1, liegt unmittelbar westl. der Pfarrkirche im Ortszentrum. Während die Pfarrkirche eine deutlich erhöhte Geländeterrasse bebaut, nimmt der heutige Bau eine völlige Niederungslage ein und ist durch die umliegenden Grünzonen, heute als Sportplatz und Park genutzt, aus der Bebauung des Ortes gelöst. Der gegenwärtige Bau bildet einen 3-gesch., unterkellerten, nur wenig gegliederten Block, der nach der modernen Restaurierung eine entsprechende, für den Schulbetrieb adaptierte Erscheinung besitzt. Das urspr. Schloss wurde 1745 abgetragen und ab 1765, noch unter den Dietrichstein, durch einen Neubau ersetzt, der jedoch noch 1835 als unvollendet beschrieben wurde. Eine Bauinschrift nennt das Jahr 1876 als Zeitpunkt weiterer Baumaßnahmen, in diesem Jahr wurde der Bau von der Gemeinde erworben und zur Schule umgebaut. 1957 wurde der östl. Teil zugefügt. Mit Ausnahme eines stichkappengewölbten Saales, nach Dehio mglw. nach 1765 zu datieren, entziehen sich die Innenräume einer näheren Untersuchung. Das Kellergeschoß bildet an der "Feldseite" eine unverputzte, geböschte Zone, das hier sichtbare Mauerwerk besteht aus Bruchsteinmaterial mit tlw. quaderartigen Blöcken. Tlw. sind die Fenstergewände der urspr. Befensterung erhalten, doch weisen die Detailformen, wie auch die gesamte Gliederung des Baues, auf Gestaltungselemente neuzeitlicher Schlossarchitektur hin. Das westl. und südl. tieferliegende, als Sportplatz genutzte Gelände stammt mglw. von ehem., doch wahrscheinlich nur noch tlw. erhaltenen Grabenanlagen. Die zur südl. Straße als Begrenzung dienende Bruchsteinmauer war u. U. die Konterescarpe dieses Grabens. Der Stich Vischers von 1672 lässt bezüglich des Standortes eine Übereinstimmung erkennen, nicht jedoch hinsichtlich des Ausbaustandes, der keineswegs mit dem heutigen, aus dem 18. Jh. stammenden Bau korrespondiert. Zu Vischers Zeit bestand ein 4-flügeliges, mehrgeschoßiges Kernschloss, das von einem turmbewehrten äußeren Bering und einem Wassergraben umgeben war. Die Anlage stand offensichtlich über anschließende Umfassungsmauern mit dem Bereich der höher situierten Pfarrkirche in Verbindung. Im Franziszeischen Kataster lässt sich aus dem Parzellengefüge im Bereich des Schlosses die frühere größere Ausdehnung der Bebauung nachvollziehen. Unmittelbar nordwestl. des Schlosses ist im Kataster der Flurname "Taborwiesen" verzeichnet. Auf Grund der gesamten topographischen Situation ist bezüglich des abgekommenen, hochmittelalterlichen Vorgängerbaues auch das erhöhte Plateau der östl. benachbarten Pfarrkirche in die Rekonstruktion mit einzubeziehen, das im N, S und W mit deutlichen Böschungen abfällt und nur im O durch ansteigendes Gelände überhöht wird. Im Zentrum des großräumigen, z. T. von jüngeren Bebauungen umsäumten Plateaus liegt die Kirche, die (nach Dehio) auf eine rom. Pfeilerbasilika zurückgeht, jedoch ab dem 14. Jh. wiederholte Umgestaltungen erfuhr. Bemerkenswert erscheint das offenbar erst jüngst freigelegte Quadermauerwerk im Bereich des S-Turmes, das wohl vom hochmittelalterlichen Kernbau stammt. Im Hinblick auf das ausgedehnte, von Kirche und heutigem Schloss bestimmte, sichtlich mehrteilige Areal wäre ein entsprechender Sitz des Hochmittelalters vermutbar, der frühzeitig mit einem Sakralbau mit pfarrlicher Funktion (die Pfarre wird 1141 urk. genannt, FRA II/51, 54) ausgestattet war.
Text G.R., T.K., K.Kü.
Erhaltungszustand/Begehbarkeit Sitz stark umgebaut, als Schule in Verwendung.
Literatur
  • Georg Binder, Die Niederösterreichischen Burgen und Schlösser (2 Bde.). Wien–Leipzig 1925 II, 113
  • Gerhard Reichhalter, Karin Kühtreiber, Thomas Kühtreiber (mit Beiträgen von Günter Marian, Roman Zehetmayer), Burgen Weinviertel (hg. v. Falko Daim). Wien 2005, 361 f.
  • Georg Clam-Martinic, Österreichisches Burgenlexikon. Linz ²1992, 191
  • Dehio Niederösterreich, nördlich der Donau (hg. v. Bundesdenkmalamt). Wien 1990, 1093 ff.
  • Brigitte Faßbinder, Theodor Brückler, Kunst im Bezirk Hollabrunn (hg. v. Stadtmuseum Alte Hofmühle Hollabrunn). Hollabrunn 1997, 101 f.
  • Karl Lechner (Hg.), Handbuch der Historischen Stätten Österreich 1, Donauländer und Burgenland. Stuttgart ²1985, 555 ff.
  • Manfred Jasser et al, Schlösser und Burgen im Weinviertel. Schriftenreihe Das Weinviertel 3 (hg. v. Kulturbund Weinviertel), Mistelbach 1979, 111
  • Josef Prinz, Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida. In: Ernst Bezemek, Willibald Rosner (Hg.), Vergangenheit und Gegenwart. Der Bezirk Hollabrunn und seine Gemeinden. Hollabrunn 1993, 878 ff.
  • Georg Matthäus Vischer, Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae 1672. Reprint Graz 1976 V.U.M.B., Nr. 84
Sitzendorf. Das repräsentative „Feste Schloss“ im 17. Jh. - © Georg Matthäus Vischer
Sitzendorf. Das repräsentative „Feste Schloss“ im 17. Jh.
© Georg Matthäus Vischer