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Hauptburgenname Gozzoburg
ID 2054
Objekt Burg-Schloss
Adresse 3500 Krems an der Donau, Hoher Markt 10–11, Margaretenstraße 14
KG Krems
OG/MG/SG Krems an der Donau
VB Krems an der Donau
BMN34 rechts 695920
BMN34 hoch 364050
UTM 33N rechts 544534.61
UTM 33N hoch 5362311.27
Link auf NÖ-Atlas Lage auf Karte im NÖ-Atlas ...
Zufahrt PKW: Krems an der Donau ist u. a. über die B 304 oder die S 33 zu erreichen. Wegweiser führen in das Stadtzentrum, es empfiehlt sich aber, am Stadtrand zu parken (das Zentrum ist gebührenpflichtige Kurzparkzone) und die „Gozzoburg“ bei einem Spaziergang durch die Altstadt zu besuchen. RAD: Krems an der Donau liegt am „Donauradweg“, ist Endpunkt des „Weinviertelweges“ bzw. Beginn des „Kremstalweges“.
Geschichte 995 wird in einer Urk. Ottos III. der befestigte Siedlungsbereich, der „orientalis urbs, quae dicitur Chremisia" erstmals erwähnt. Spätestens in der 2. H. d. 10. Jhs. bzw. nach 955 ist mit einer befestigten Höhensiedlung als ältestem Stadtkern von Krems zu rechnen. Die Bezeichnung „Reichsfeste" des 10./11. Jhs. mit Sitz der Reichsverwaltung (nach Buchmann/Faßbinder) kann mangels Quellen nicht nachvollzogen werden. Bereits in das 11. Jh. wird – allerdings ohne archivalische oder archäologische Nachweise – die Gründung eines Wehrbaues in zentraler, dominanter Siedlungslage angenommen, der Sitz der ldfl. Verwaltung gewesen sein soll. 1131 wird ein „prepositus marchonis“ Poppo genannt, was einen ldfl. Sitz in Krems belegt (FRA II/69, Nr. 238; FRA II/8, Nr. 357). Die 1. definitive Nennung einer „curia ducis" findet sich in einer undatierten Traditionsnotiz des Klosters Mondsee aus der Zeit nach 1156 (UbE I, 99). Eine Lokalisierung der zwischen 1120/30 und 1190 nachweisbaren ältesten Münzstätte Österr., die durch zahlreiche Nennungen (Chremensis monete, Nennungen von Münzmeistern) belegt wird, ist mangels einer eindeutigen Lokalisierung der curia ducis nicht möglich. Historisch fassbar wird die domus Gozzonis erst 1258, als eine Urk. in „domo dicti Gozzonis tunc iudicis“ ausgestellt wird. Der reiche Kremser Bürger Gozzo, 1247 erstmals urk. genannt, zwischen 1249/82 oftmalig Stadtrichter von Krems und Stein und Träger bedeutender Ämter unter Kg. Ottokar II,. erwirbt einen Gebäudekomplex dessen Bauherrenschaft mangels archivalischer Quellen unklar ist. 1267 wird eine dem Hl. Johannes Ev. geweihte Kapelle genannt, die vor 1314 einen Katharinenaltar erhält; das Patrozinium wird auf beide Hll. erweitert, erst in der Neuzeit setzt sich der Begriff Katharinenkapelle durch. Nach Gozzos Tod gelangt der Bau zunächst an seine Söhne, dann an seinen Schwiegersohn, den Wiener Bürger Greif (Griffo). Nach dessen Tod verkauft der Enkel Jans d. Greif das Gebäude um 1340 an die Habsburger, behält sich jedoch die Lehenschaft über die Katharinenkapelle vor. Die Habsburger setzen Bgfn. zur Verwaltung ein. Unter diesen sind u. a. die Hrn. v. Maissau, Burkhard v. Maidburg und Hardegg, Heinrich d. Schenk v. Reychenegg,. die Hrn. v. Wallsee und Konrad v. Frauenberg nachweisbar. Zeitweise ist die Burg auch verpfändet, so 1398–1415 an Ulrich v. Dachsberg und 1463 an Zdenko v. Sternberg. In den Kriegen zwischen 1477/83 ist die Pflegschaft in den Händen von Kremser und Steiner Bürgern sowie der Stadt Krems selbst. Durch die Belagerung von 1477 in Mitleidenschaft gezogen, erfolgen zwischen 1481/87 unter dem Pfleger Paul Engel Umbauarbeiten. Noch vor 1503 verkauft K. Maximilian I. den Komplex, der in 2 Gebäude geteilt wurde. Heutiger Besitzer ist die Gozzoburg Immobilien GmbH, die zum Zweck der Revitalisierung und Restaurierung gegründet wurde.
Text H.S.-L.
Lage/Baubeschreibung An der nordöstl. Ecke der Altstadt liegt über einem steilen Felsabbruch zum Kremstal das wohl älteste befestigte Areal von Krems. Die südl. Begrenzung ist in der sog. „Burggasse" zu sehen, nördl. reicht es verm. bis zur heutigen „Pulverturmgasse". Der Stadtteil, der sich durch Unberührtheit und Regellosigkeit der Bebauung auszeichnet, heißt noch heute „Auf der Burg", doch sind keine offensichtlichen Reste festzustellen. Nach Buchmann/Faßbinder sind durch Häuser östl. des Hohen Marktes und der Burggasse Teile einer frühen (Ring-)Mauer überbaut. Schweiger erwähnt Wall- und Grabenreste im Garten des Instituts der Englischen Fräulein, die auf eine ehem. nördl. Sicherung des Areals weisen könnten. Die Überlieferung „Auf der Burg" ist nicht durch einen Adelssitz im engen Sinn gegeben, sondern durch einen frühen, befestigten Siedlungstyp, der 995 genannten „urbs", aus deren räumlich beschränktem Areal sich schrittweise die Stadt des Hoch- und Spätmittelalters entwickelte. An der südl. Basis des Hohen Marktes liegt über dem Steilabfall zur Unteren Landstraße, an ehem. dominierender, zentraler Lage, ein vielteiliger Gebäudekomplex, heute unter dem Namen „Gozzoburg" bekannt. Der vorgelagerte Hohe Markt, ein Dreiecksplatz, ist aus einer Straßengabelung eines von N in die Stadt führenden Altweges hervorgegangen und war bis ins 14./15. Jh., zwischen Burg und ehem. Pfk. situiert, Mittelpunkt der Stadt. Das markante, 5-höfige Ensemble am Felsabfall zur Unteren Landstraße wirkt durch seine Vielzahl an vornehmlich sma. Architekturelementen noch stark dem Mittelalter verhaftet. Die Anlage lässt sich in einen westl. und einen östl. Bereich untergliedern: Zum westl. Bereich der Anlage gehören der vom Hohen Markt aus dominante Saalbau mit Loggia und westl. anschließendem Torturm, der dahinter befindliche Hof 1 und der S-Trakt bis auf die Höhe des heute durch einen Glasbau geschlossenen Eingangsbereiches (Aula) unmittelbar östl. des Saalbaus. Der östl. Bereich umfasst die unter der Bezeichnung „Palas“ firmierenden östl. Teile des S-Trakts, den nördl. vorgelagerten Arkadenhof (Hof 2), die östl. angrenzende Katharinenkapelle sowie die ihr nördl. und östl. vorgelagerten Höfe 3 („Vorgarten“) und 4 („Burggarten“). Klaar rekonstruiert im östl. Bereich eine ehem. Burganlage des 11. bis mittleren 12. Jhs. und sieht in einem über dem Abhang aufragenden, mächtigen Rechteckbau Reste eines frühen Saalbaus von 12 x 22 m Größe mit vorgelagertem Rechteckhof. Dies soll der babenbergische Herrschaftsmittelpunkt im Ausbaubereich der Stadt des 11. Jhs. um den Hohen Markt gewesen sein. Im Zuge von Revitalisierungmaßnahmen der Gozzoburg wurden 2005–2007 intensive baubegleitende bauhistorische (Buchinger, Mitchell, Schön) und archäologische Untersuchungen (Vereine ASINOE und AS-Archäologie Service) durchgeführt, deren Ergebnisse derzeit (2009) nur in Vorberichten vorliegen. Diese revidieren die Baugeschichte der Anlage sowie Eckpfeiler der Stadtgeschichte von Krems in wesentlichen Punkten, auch wenn einzelne Vorergebnisse aufgrund divergierender Forschungsmeinungen in Diskussion sind. So fanden sich bislang keine Spuren, die auf eine Vorgängerbebauung des 11./12. Jhs. hinweisen, wenngleich einschränkend darauf hingewiesen werden muss, dass nur in wenigen Bereichen bis zum natürlichen Felsuntergrund gegraben werden konnte. Die ältesten erhaltenen Bauteile stammen aus der 1. H. d. 13. Jhs. und sind zu großen Teilen in der noch im W-Bereich der heute bestehenden Anlage integriert. Gesichert auf Grund dendrochronologischer Daten gehören diesem ältesten Baubestand ein 3-gesch. Baukörper mit Saalobergeschoß südwestl. von Hof 2 („Hoher Saal“) sowie die ersten 2 Geschoße der Torturmkapelle westl. des späteren Loggiengebäudes an. Mauerverzahnungen sprechen aber dafür, dass zumindest auch das Erdgeschoß des späteren Loggiengebäudes sowie eine Außenmauer eines weiteren Gebäudes, die heute Hof 2 an der O-Seite begrenzt, zu dieser Bauphase gehören. Im 1. Obergeschoß des Baues im S befindet sich ein 2-gesch. Saal, der von N durch ein Rundbogenportal mit umlaufendem Dreiviertelstab erschlossen war. Durch eine Holzprobe aus dem hölzernen Kanal des Balkenschubs dieses Zugangs konnte ein Baudatum von um/nach 1235 ermittelt werden. Zeitgleich mit diesem turmartigen Bau entstand nördl. vorgelagert ein Wohnbau mit einer Blockwerk- oder Bohlenstube im 1. Obergeschoß, worauf 3 weit trichternde Rundbogenfenster in der erhaltenen O-Mauer von Hof 2 und ein hofseitiger Mauerabsatz hinweisen. Dieser Befund, insbesondere die Orientierung der Fenster, erlaubt die Rekonstruktion des Wohnbaus im Bereich von Hof 2 und nicht, wie in den bisherigen Vorberichten publiziert, westl. anschließend, auch wenn die archäologischen Untersuchungen keinen Nachweis einer hma. Mauer, die das Gebäude (an der N-Grenze von Hof 2) geschlossen hat, erbrachte. Dieser Bau muss daher zu einem unbekannten Zeitpunkt, spätestens aber vor Errichtung der archäologisch erfassten, (früh-)nz. Baureste im Bereich von Hof 2, abgetragen worden sein, wodurch sich die zum Hohen Markt hin offene Hofsituation entwickelte. Nach neuesten Untersuchungsergebnissen (2009) gehören auch das Erdgeschoß und 1. Obergeschoß des Torbaus unmittelbar westl. des Loggiengebäudes dendrochronologisch in die 30er-Jahre d. 13. Jhs. Das Obergeschoß oberhalb der Tordurchfahrt dürfte von Anfang an als Kapellenraum bestimmt gewesen sein, wofür die primären Reste flächiger Wandmalereien mit einer Szene aus der Jonaslegende sprechen. Der urspr. wohl flach gedeckte Raum erhielt sekundär wohl noch in spätbabenbergischer Zeit (spätestens 1240/50) eine Einwölbung mit Kreuzrippen, von der die Runddienste mit Knospenkapitellen erhalten geblieben sind. Da dieser Baukörper mit dem Erdgeschoß des anschließenden Rechteckbaus hinter der späteren Loggia verzahnt, dürfte auch dieses noch zum Primärbestand gehören. Dafür spricht auch das gefaste Gewände mit Kugelbesatz am Zugangskorridor im O-Bereich dieses Baus, welches gute Entsprechungen in der 1. H. d. 13. Jhs. hat. Zusammenfassend lässt sich somit für die Zeit um 1230/40 ein geschlossenes Bauensemble mit 3 platzseitigen Gebäuden rekonstruieren, bestehend aus Torkapelle im W, traufseitig orientiertem Rechteckbau unbekannter Funktion in der Mitte und nach dem Korridor einem östl. anschließenden Wohnbau mit Stube im Obergeschoß bestand. Im S schloss der turmartige Saalbau an. Wem diese Anlage besitzmäßig zuzuweisen ist, kann nach derzeitigem Forschungsstand nicht gesagt werden. Es ist aber nicht auszuschließen, hierin den Kern einer älteren, ldfl. Burg zu fassen, auch wenn mit dem zeitgleichen Herzogshof eine weitere hochrepräsentative Anlage in Krems besteht (s. d.). Ab der M. d. 13. Jhs. entstand zunächst genau in diesem Bereich ein großer, repräsentativer Um- und Neubau. Nach Ausweis von dendrochronologischen Daten wurde zunächst dem wohl älteren Rechteckbau am Hohen Markt um 1254 eine Loggia vorgebaut sowie im Obergeschoß ein großer Saal errichtet. Zum Platz öffnet sich ebenerdig eine 5-jochige, erhöhte Loggia mit Sitznischen und Kreuzrippengewölbe auf polygonalen Konsolen. Das östl. Joch war mit größerer Arkade und Stufenanlage ausgezeichnet und mündet in den wohl älteren Durchgang zum Innenhof bzw. zum Aufgang in den Saal im Obergeschoß. Dieser weist zum Platz hin 4 Sitznischen mit großformatigen, reich profilierten Biforenfenstern auf, ein weiteres befindet sich an der S-Seite. Die weitgehend erhaltenen und heute tlw. rekonstruierten Steingewände zeigen mit Spitzbögen sowie Kleeblattrundbögen und eingesetzten Vierpässen eine wohl gezielte Mischung spätrom. und frühgot. Elemente. Dies gilt auch für das Zugangsportal in der östl. S-Mauer, das als frühes Schulterbogenportal mit Kleeblatt-Tympanon und in Eckspornen auslaufendem Dreiviertelstab mit innen anschließendem Diamantfries ausgestaltet ist. Die Innenwände des Saales weisen auf der primären Putzschicht einen Wappenfries von urspr. wohl 38–39 Wappen auf, von denen 27 große und 3 kleine Wappen mit Helm und Helmzier zumindest tlw. erhalten geblieben sind. Die großen Wappen an der westl. Schmalseite zeigen nach bisheriger Analyse bzw. aufgrund der erhaltenen Inschriften die Länder Kg. Ottokars II., die 3 kleineren Wappen darunter sind verm. ldfl. Amtsleuten zuzuordnen, woraus sich eine Zeitstellung der ältesten Malschicht in der 2. H. d. 13. Jhs. (um 1270?) erschließen lässt. Während das Erdgeschoß des Saalbaus Bruchsteinmauerwerk aufweist, sind das Obergeschoß und der Treppengiebel mit Mauerwerk mit Schalen aus Ziegeln ausgestattet, die heute unter einer Schutzschlämme verborgen sind. Der Saalbau gehört somit zu den ältesten Belegen für Backsteinarchitektur in Ostösterr. Westl. ist, um die Laube zurückgesetzt, ein weiterer, zeitgleicher Baukörper angegliedert, dessen Erdgeschoß noch heute als Durchfahrt dient. In der westl. anschließenden Torturmkapelle fanden wohl zeitgleich Umbauarbeiten statt: Zum einen wurde der Bau um 1 Geschoß erhöht; der Kapellenraum erhielt eine neue Einwölbung mit gekehltem Bandrippengewölbe und Agnus Dei am Schlussstein, auf die älteren Knospenkapitelle wurden dazu massive Plinten aufgesetzt. Sekundär wurden an der N- und S-Seite Rundfenster mit Vierpass zur Belichtung eingesetzt. Baubefunde deuten den urspr. Bestand einer kleinen W-Empore an, die über je ein Portal in den S-Mauern von Kapelle und Saal und einen wohl hölzernen Außengang erschlossen waren. Im 3. Geschoß befindet sich ein weiterer, flach gedeckter Raum, dessen Ausstattung mit Biforenfenster auf eine ebenfalls repräsentative Nutzung (Archiv?, nach Buchinger/Mitchell/Schön) ausgelegt war. Zum anderen wurde wohl wenig später, nach Buchinger/Mitchell/Schön in den späten 50er-Jahren d. 13. Jhs., der westl. an den „Hohen Saal“ anschließende S-Trakt errichtet und damit die Situation von Hof 1 geschaffen. Im Erdgeschoß dieses Baues wurden Räumlichkeiten wirtschaftlicher Nutzung untergebracht, so im SW ein Küchentrakt mit westl. anschließendem Nebenraum und östl. davon ein Abortbereich. Der durch die lange Nachnutzung stark überprägte Küchenbereich weist neben einem möglichen zentralen Schlot im Gewölbe Rauchabzüge in den Ecken auf; erst diese können eine sinnvolle Nutzung des darüber befindlichen Raumes ermöglicht haben. Zur wohl primären Austattung des Küchenraums gehören hohe Schartenöffnungen in der N- und S-Mauer sowie Wandnischen. Die Nutzung der Räumlichkeiten im Obergeschoß ist mangels eindeutiger Baubefunde weniger gesichert, Wohnbereiche sind jedoch wahrscheinlich. S-Trakt und Saalbau waren im O über einen schmalen Trakt verbunden, wobei nach Buchinger/Mitchell/Schön die Erschließung im Bereich von Hof 2 über Außenanlagen, nach Ansicht der Verf. aber durch den noch bestehenden, älteren Wohnbau und einem mglw. südl. zwischengebauten Flur stattfand. In einer weiteren Bauphase erfolgte der Ausbau nach O. Als ältester Baukörper gilt hier der turmartige Kapellenbau am östl. Ende des Komplexes, der mit einer Exemtionsurk. von 1267 in Verbindung gebracht wird und demnach urspr. dem Hl. Johannes Ev. geweiht war. Entgegen der Darstellung von Buchinger/Mitchell/Schön – sie beschreiben diesen Bau als urspr. frei stehend – dürfte dieser dem arch. Befund zufolge über eine zeitgleiche Mauer in der Flucht der nördl. Kapellenmauer mit dem westl. Komplex verbunden gewesen sein. Die parallel verlaufende N-Mauer des späteren Arkadenhofes (Hof 3) könnte nach Ansicht der Bauforschung als Treppengang zur Erschließung des Sakralraumes im Obergeschoß gedient haben. Die durch Umbauten des 19. Jhs. massiv beeinträchtige Innenausstattung der Kapelle kann dank der neueren Untersuchungen und zahlreicher, sekundär verbauter Spolien und anderer Ausstattungselemente weitgehend rekonstruiert werden: Demnach war der quadratische Raum an der N- und S- Seite mit 2-, vielleicht auch 3-bahnigen Maßwerkfenstern belichtet und wies ein 8-strahliges Sternrippengewölbe auf, das auf Runddiensten mit Blattkapitellen, Tellerbasen und abgestuften, oktogonalen Sockeln ruhte und in einem Schlussstein mit Lamm Gottes mündete. Dazwischen befinden sich Reste einer ehem. Blendarkatur mit Sitznischen und Dreipassbögen auf Rotmarmorsäulchen. Der Altarraum ist ein vor die O-Fassade vorspringender, erkerartiger Chor mit 3 schmalen Lanzettfenstern und einem 5-strahligen Rippengewölbe mit hopfenrankendekoriertem Schlussstein; südl. des Chores blieb ein Lavabo mit Ausguss erhalten. Zur einzigartigen frühgot. Ausstattung gehören noch Reste von Wandmalereien und farbigem Fensterglas, Letzteres aus den Bodenbeschüttungen und Zwischenwänden des 19. Jhs., sowie verm. ornamentierte und glasierte Bodenfliesen, die in sekundärer Verlegung im „Freskensaal“ des S-Trakts gefunden wurden, aber aufgrund von Bodenabdrücken im Estrich mglw. von hier stammen. Mehreren Motiven konnten modelidentische Fliesen aus der Veitskapelle im Stift Altenburg zugewiesen werden. Der für die österr. Frühgotik einzigartige Bau hat vor allem im Strahlenrippengewölbe französische Vorbilder, die über die Baukunst Kg. Ottokars II. vermittelt wurden. Für die Mauerschale sowie als Formsteine für die Rippen wurden auch hier Backsteine verwendet. Der Kapelle ist ein zeitgleicher Vorraum vorgelagert, der nach Ausweis der Bauforschung urspr. balkonartig Richtung W offen war und von N über den Treppenaufgang und in weiterer Folge Richtung S die Verbindung zum neu errichteten Wohntrakt im O-Bereich darstellte. An der W-Fassade der Kapelle haben sich Wandmalereien mit christologischen Motiven im zackbrüchigen Stil aus der Erbauungszeit erhalten. Der südwestl. anschließende, 3-gesch. S-Trakt, nach Klaar der „Palas“, besitzt aufgrund primärer Zwischenmauern eine Dreigliederung, wobei im 1. und 2. Obergeschoß nach Ausweis der Bauforschung in mehreren Räumen aufgrund von Resten charakteristischer Fenstergruppen Stubenräume angenommen werden können. Die N-Mauer des Trakts zeigt eine auffällige Abweichung in ihrer Flucht, mglw. ersetzte sie eine ältere Mauer, die mit der N-Mauer des „Hohen Saals“ fluchtete. Zwischen „Hohem Saal“ und S-Trakt wurde zeitgleich ein weiterer, turmartiger Baukörper eingestellt, der im Obergeschoß ebenfalls einen hohen, saalartigen Raum aufweist. In diesem wurden auf heute 2 unterschiedlichen Geschoßen gut erhaltene Reste flächiger Wandmalereien entdeckt, die aufgrund der kunsthistorischen Datierung des zackbrüchigen Stils um 1270 zu den ältesten erhaltenen profanen Bildzyklen nördl. der Alpen zählen und nach neueren Studien von Blaschitz als „Barlaam und Josaphat“-Zyklus, eine im Mittelalter beliebte Erzählung in christianisierter Umwandlung der Buddha-Legende, interpretiert werden kann. Zur Diskussion steht auch, dass die Hauptthemen, die Auseinandersetzungen zwischen einem jungen und einem alten König darstellen, auch als Anspielung auf biographische Sequenzen Kg. Ottokars II. und somit als propagandahafte Gleichsetzung des Herrschers mit der mythologischen Figur eines idealen Königs zu lesen sind. Damit in Verbindung steht die Diskussion um den bzw. die Bauherren dieses hoch repräsentativen Gebäudeensembles: Während Buchinger/Mitchell/Schön aufgrund der Schriftquellenlage den ldfl. Stadtrichter Gozzo, nicht zuletzt wegen der Nennung der „domus Gozzonis“ sowie seines urk. nachweisbaren Besitzes der Johanneskapelle, als alleinigen Bauherren ansehen, steht auch die Bauträgerschaft Kg. Ottokars II. im Raum, nicht zuletzt wegen der Bildinterpretation der Wandmalereien und der zahlreichen kunsthistorischen Bezüge zur böhm. Baukunst der 2. H. d. 13. Jhs. Zweifellos weist der Saalbau von 1254 mit seiner Loggia Bezüge zu kommunalen Stadtpalästen Italiens, aber auch zu frühen deutschen Rathäusern auf und dürfte kommunal-öffentlich genutzt worden sein. Inwieweit die komplexen und weitläufigen Wohn- und Repräsentationsbereiche im vom Hohen Markt abgewandten Bereich ausschließlich Gozzo und seiner familia und nicht auch dem König als Stadtherren gedient haben, wird sicherlich noch länger Anlass zu Diskussionen geben. Größere Um- und Ausbauten sind erst wieder im späten 15. und 16. Jh. festzustellen. Diese betreffen zum einen Bereiche der Innengestaltung, wie die partielle Übermalung der Wappen im Wappensaal (neue Helme und Zimiere, tlw. auch die Wappenfelder), die Ausgestaltung eines Wappenraums im westl. Teil des S-Trakts, die Einwölbung mehrerer Räume, darunter auch des Untergeschoßes der nun der Hl. Katharina geweihten Kapelle im O-Bereich, sowie die Ausgestaltung der Höfe 1 und 2 mit Arkadengängen und Wendeltreppen. Entgegen der Darstellung von Buchinger/Mitchell/Schön, die einen Großteil dieser Bauteile mit durch Schriftquellen angezeigten Baumaßnahmen unter Friedrich III. um 1484 annehmen, sehen die Verf. mit Ausnahme der Wappenumgestaltungen einen Schwerpunkt in der 1. H. d. 16. Jhs., nachdem der Baukomplex unter K. Maximilian I. in 2 Bürgerhäuser aufgeteilt worden war. Dafür sprechen charakteristische Architekturdetails, wie das Rechteckfenster mit hochgepflocktem Gewände an der Wendeltreppe in der NW-Ecke von Hof 3, die Säulchen mit pyramidalen Abläufen im Arkadengang und die betonten Gratgewölbe im Arkadengang von Hof 3 und im Untergeschoß der Katharinenkapelle, die regional gut datierte Vergleichsbeispiele aus dem Zeitraum 1520–1540/50 aufweisen. Auch die verm. Verlegung des ornamentierten Fliesenbodens aus der Katharinenkapelle in den um/nach 1526 neu gewölbten Freskensaal legt eine zeitliche Einordnung der Einwölbung und somit der Fußbodenerneuerung in der Kapelle erst um 1520/30 und nicht schon um 1484 nahe. Der westl. Arkadenhof ist mit „1548“ bezeichnet und somit eindeutig dem Baugeschehen unter dem Bürgermeister und kaisl. Rat Michael Polt oder dessen Sohn Christoph zugewiesen. Im Zuge dieser Umbauten wird im östl. Arkadenhof (Hof 3) auch ein archäologisch nachgewiesener 2-räumiger Bau unbekannter Funktion abgerissen und tlw. überbaut. Zu den spärlichen Bauhinweisen des 17. Jhs. gehören die Einrichtung einer Brauerei im W-Trakt, welche zur Vermauerung der Loggia und dem Einbau weitläufiger Felsenkeller führte, sowie die sekundäre Anbringung des Wappens Carl Christophs v. Tromau im unter K. Friedrich III. ausgeführten Wappenraum (um 1660), sowie im benachbarten Raum mit Gratgewölbe im Obergeschoß des S-Traktes. Die einschneidendsten Veränderung der Neuzeit war die Umwandlung der Gozzoburg in Mietshäuser im frühen 19. Jh., was zur Teilzerstörung der Innenaustattung der Katharinenkapelle durch Einziehen von Zwischenmauern und einem weiteren Geschoß führte. Ähnliches erfolgte auch im Wappensaal des Saalbaues. Erste Rückbauten erfolgten 1956/61, eine weitgehende Wiederherstellung erfolgte mit der Revitalisierung 2006/08. Ob die Innenausstattung der Katharinenkapelle rekonstruiert wird, stand 2008 noch nicht fest. Zweifelsohne handelt es sich bei der Gozzoburg um eines der herausragendsten ma. Profanbauwerke in Österr., welches hinsichtlich seiner baugeschichtlichen Bedeutung in den nächsten Jahren noch eingehend gewürdigt werden wird.
Text T.K., G.R., P.S.
Erhaltungszustand/Begehbarkeit Bewohnter Baukomplex. Nur tlw. frei zugänglich.
Touristische Infrastruktur Teile des Gesamtkomplexes sind nach der Restaurierung seit 2007 im Rahmen von Führungen zugänglich, z. B. der Wappensaal oberhalb der Loggia sowie die Profanmalereien im „Freskensaal". In einem Gebäudeteil ist die Taverne „Gozzoburg“ eingerichtet. Im Kassabereich kleiner Museumsshop. Führungszeiten: 6. März–22. November Fr, Sa 12 u. 14 (ca. 70 Min.) bzw. Gruppenführungen nach Voranmeldung. Treffpunkt und Tickets: WEINSTADTMuseum Krems, Körnermarkt 13.
Gasthäuser Rest. „Gozzoburg" im Burgbereich (Tel.: 02732/852 47), GH Jell in Krems, GH Klinglhuber in Krems.
Literatur
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  • Gertrud Blaschitz, Josaphat und Ottokar II. Přemysl? Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege (in Druck)
  • Günther Brucher (Hg.), Gotik. Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich II. Wien–München 2000, 223 f.
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  • Gerhard Reichhalter, Karin und Thomas Kühtreiber, Burgen Waldviertel Wachau. St. Pölten 2001, 184 ff.
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  • Fundberichte aus Österreich (hg. v. Bundesdenkmalamt). Wien 1930 ff. 45/3006, 23 f.
  • Fundberichte aus Österreich (hg. v. Bundesdenkmalamt). Wien 1930 ff. 44/2005, 25
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  • Rupert Schweiger, Zauber der Architektur. Doppelstadt Krems-Stein und Mautern. St. Pölten–Wien 1993, 23 f. und 100 ff.
  • Gerhard Stenzel, Von Burg zu Burg in Österreich. Wien ²1973, 192
  • Peter Zawrel, Gozzo von Krems. Ein Politiker und Mäzen des 13. Jahrhunderts. Ungedruckte Staatsprüfungsarbeit Institut für Österreichische Geschichtsforschung Wien 1983
Gozzoburg. Ansicht des Loggiengebäudes von NW (2008) - © Thomas Kühtreiber
Gozzoburg. Ansicht des Loggiengebäudes von NW (2008)
© Thomas Kühtreiber
Gozzoburg. Detail aus dem Freskensaal (2008) - © Thomas Kühtreiber
Gozzoburg. Detail aus dem Freskensaal (2008)
© Thomas Kühtreiber
Gozzoburg. Die Hofarkaden im Hof 3 (2008) - © Thomas Kühtreiber
Gozzoburg. Die Hofarkaden im Hof 3 (2008)
© Thomas Kühtreiber
Gozzoburg. Das Rippengewölbe der Loggia (1999) - © Gerhard Reichhalter
Gozzoburg. Das Rippengewölbe der Loggia (1999)
© Gerhard Reichhalter
Gozzoburg. Bauphasenplan (2009) - © Grundlage: BDA; Baualter: Thomas Kühtreiber, Patrick Schicht; Digitalisierung: Patrick Schicht
Gozzoburg. Bauphasenplan (2009)
© Grundlage: BDA; Baualter: Thomas Kühtreiber, Patrick Schicht; Digitalisierung: Patrick Schicht
Gozzoburg. Bauphasenplan (2009) - © Grundlage: BDA; Baualter: Thomas Kühtreiber, Patrick Schicht; Digitalisierung: Patrick Schicht
Gozzoburg. Bauphasenplan (2009)
© Grundlage: BDA; Baualter: Thomas Kühtreiber, Patrick Schicht; Digitalisierung: Patrick Schicht