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Hauptburgenname Wolfenreith
ID 2373
Objekt nicht lokalisierter Sitz
KG Wolfenreith
OG/MG/SG Weinzierl am Walde
VB Krems-Region
BMN34 rechts 0
BMN34 hoch 0
UTM 33N rechts 528258
UTM 33N hoch 5360196
Link auf NÖ-Atlas Lage auf Karte im NÖ-Atlas ...
Geschichte Wolfenreith ist offensichtlich der urspr. namengebende Sitz der Wolfenreuter, die ab der M. d. 13. Jhs. im Umfeld der Kuenringer, später der Maissauer auftreten. 1256 gehören die Brüder Konrad und Heinrich v. Wolfenreith zum Gerichtsumstand Alberos (V.) v. Kuenring (StiA Zwettl, Urk. 81), Konrad Wolfenreuter erscheint noch 1286 im kuenringischen Gefolge. Eine schließlich auf seine Söhne Albrecht und Ulrich und deren Söhne Konrad und Hans ausgestellte Urk. über die Ausgabe von Göttweiger Zehenten zu Leibgedinge war 1300 offenbar zunächst irrtümlich auf den bereits verstorbenen Konrad ausgestellt und nie an die Empfänger ausgehändigt worden. (s. auch Muthstall) 1343 scheinen als Kinder Konrads die Geschwister Wilhelm, Albrecht, Ulrich, Elisabeth und Ortwein auf (NÖLA, StA Hs. 78/1, pag. 283), denen nach anderen Urk. Leutold als weiterer Bruder und Katharina als weitere Schwester an die Seite zu stellen ist, während die Brüder Otto, Wolfgang und Adolf als „vettern“ der eben Genannten bezeichnet werden. 1344 verkaufen Wolfgang Wolfenreuter und seine Frau Wedehilt dem Dürnsteiner Klarissenkloster Gülten in (Klein-)Heinrichschlag (s. StiA Herzogenburg, K. Nr. 99), 1351 verkaufen Adolf Wolfenreuter und seine Frau Elisabeth dem Kloster hier weitere Gülten (s. StiA Herzogenburg, K. Nr. 120). Ein Stephan Wolfenreuter, „vetter“ der o. g. Brüder Wolfgang und Adolf, hat um 1340/50 Göttweiger Lehen in Wolfenreith inne. Im späteren 14. Jh. scheint Otto Wolfenreuter besonders häufig im Umfeld der Maissauer auf und urkundet als Klient Heidenreichs v. Maissau 1369/70 als Bgf. v. Gars und Krems, 1370/71 als Bgf. v. Wolfstein. 1369 verkaufen Albrecht Wolfenreuter und seine Frau Anna Heidenreich v. Maissau einen Weingarten in der Achleiten nordöstl. von Weißenkirchen, die Urk. besiegeln die Verwandten des Ausstellers, Otto Wolfenreuter, Bgf. v. Gars, Wolfgang Wolfenreuter und Wilhelm Chlauban v. (Groß-)Heinrichschlag. Wolfgang Wolfenreuter ist um 1360, Otto Wolfenreuter 1366 Bgf. v. Dürnstein, 1371 besiegelt Otto als Bgf. v. Wolfstein die Jahrtagstiftung des Richters von Spitz, Rennbart v. Waldreichs. Leutold (beachte den charakteristischen kuenringisch-maissauischen Leitnamen, gest. 1420, Wappengrabplatte in der Filk. St. Michael), ein Sohn des Konrad Wolfenreuter, ist 1376/77 und 1403 Bgf. und Richter v. Spitz und Dürnstein und Richter der Wachau sowie 1395 Pfleger von Hartenstein. 1380 hat er den festen Sitz in Himberg samt geringem Zubehör als Lehen des Rüdiger v. Starhemberg inne, 1391 verkauft er Gülten auf behaustem Gut in Spitz, ein Lehen des Hans (Jans) v. Maissau, an seinen Lehensherrn. Aus Leutolds 1. Ehe stammt ein Sohn Albrecht, 1427/29 niederösterr. Landuntermarschall, 1429/32 Salzburger Hofmeister in (Hof-)Arnsdorf und 1433 Inhaber von Emmerberg, in 2. Ehe ist Leutold mit Dorothea, Tochter des Feldrichters innerhalb des Kamp, Ruprecht Gedersdorfer (Gerersdorfer), verheiratet. Ein verm. aus dieser 2. Ehe stammender Sohn Leutolds, Jörg Wolfenreuter, Hauptmann von Krems, nimmt 1446 alle Passauer Zehenten in den meisten Orten der Wachau und im Kamptal auf 5 Jahre in Bestand. 1457 und 1464 bevogtet er den Göttweiger Besitz in Hinterberg bei Ranna. Sein Bruder Wolfgang Wolfenreuter, Kämmerer und seit spätestens 1444 auch Rat Kg. Friedrichs III., hält sich 1443 zusammen mit Jörg v. Volkersdorf und Jörg Maroltinger im Rahmen einer Gesandtschaft Friedrichs am Hof Renés v. Anjou in Saumur auf, wo den 3 Gästen das Recht zum Tragen und zur Weiterverleihung der Insignien eines ungenannten Ritterordens erteilt wird. Die Pfk. St. Michael scheint die alte Familiengrablege der Wolfenreuter gewesen zu sein. Schon 1335 hatten die Brüder Rudolf und Ulrich Wolfenreuter 2 Jahrtage in St. Michael gestiftet. Das Geschlecht stirbt 1549 mit dem kaisl. Rat Georg Wolfenreuter zu Emmerberg aus, Sohn des Hauptmanns von Wiener Neustadt und niederösterr. Landuntermarschalls (1514) Wilhelm Wolfenreuter.
Text A.H.Z.
Lage/Baubeschreibung Wolfenreith liegt 5,6 km südwestl. von Weinzierl am Walde. Der ehem. Sitz ist heute abgekommen. Mglw. ist dieser in der Flur „Im Meierhof“ zu suchen, 1,4 km südwestl. von Wolfenreith. Nach Auskunft Ortsansässiger tradiert die Sage vom „versunkenen Schloss“ hier in der Ried „Seefleck“, einer feuchten Senke innerhalb der Flur, den Standort der ehem. Burg. Auf der südl. anschließenden, auffälligen Rückfallkuppe (Kote 791) gibt es, abgesehen von Klaubsteinreihen, keine Hinweise auf eine ehem. Befestigungsanlage, obgleich sich an der SW-Flanke die „Hauswiese“ befindet. Die Besitzungen des ehem. Sitzes sollen nach dessen Wüstfallen auf 2 Höfe im Ort übertragen worden sein, von denen Haus Nr. 5 ebenfalls als „Meierhof“ bezeichnet wird. Das zentral in der nördl. Dorfzeile gegenüber der Dorfkapelle gelegene Gehöft präsentiert sich heute als im beginnenden Verfall begriffener 3-Seit-Hof mit traufseitig zur Dorfstraße orientiertem Wohnhaus. Der westl. Teil des Hauses ist über Baufuge an den älteren O-Teil angestellt. Dieser zeigt an Putzfehlstellen wenig charakteristisches, kleinteiliges Bruchsteinmauerwerk. Der Zugang erfolgte urspr. durch ein großes, sekundär verkleinertes Rundbogenportal, das mit Resten schwarzer Diamantquadermalerei auf weißem Grund umrahmt ist. Dies kann als Indiz für eine Errichtung dieses mutmaßlichen Nachfolgerbaues der urspr. ortsfernen Burg im 16./17. Jh. gewertet werden.
Text T.K.
Erhaltungszustand/Begehbarkeit abgekommen
Literatur
  • Bertrand Michael Buchmann, Brigitte Faßbinder, Burgen und Schlösser zwischen Krems, Hartenstein und Jauerling. Burgen und Schlösser in Niederösterreich 16 (Birken-Reihe), St. Pölten–Wien 1990, 137
  • Gerhard Reichhalter, Karin und Thomas Kühtreiber, Burgen Waldviertel Wachau. St. Pölten 2001, 402
  • Falko Daim, Karin und Thomas Kühtreiber (Hg.), Burgen Waldviertel - Wachau - Mährisches Thayatal. Wien 2009, 551 f.
  • Adalbert Fuchs (Bearb.), Urkunden und Regesten zur Geschichte des Benedictinerstiftes Göttweig, 1. Theil: 1058–1400. Fontes Rerum Austriacarum II/51, Wien 1901, Nr. 172 f., 221 f., 327, 334, 388, 417, 479 f., 495
  • Adalbert Fuchs (Bearb.), Urkunden und Regesten zur Geschichte der aufgehobenen Kartause Aggsbach V.O.W.W. Fontes Rerum Austriacarum II/59, Wien 1906, Nr. 19–21, 23
  • Gerald Winner, Die Urkunden des Zisterzienserstiftes Lilienfeld 1111–1892. In Regestenform bearbeitet. Fontes Rerum Austriacarum II/81, Wien 1974, Nr. 1065 f.
  • Lydia Gröbl, Das Klarissenkloster in Dürnstein an der Donau 1289–1471. Dissertation Universität Wien 1998, 37, 39
  • Anton Kerschbaumer, Beiträge zur Geschichte der Pfarre Aggsbach O.M.B. Geschichtliche Beilagen zu den Consistorial-Currenden der Diöcese St. Pölten 4, 1890, 294–304, 297
  • Alois Plesser, Zur Kirchengeschichte des Waldviertels in der Zeit der Visitation von 1544 und überhaupt vor dem Ueberhandnehmen des Luthertums. Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 9, St. Pölten 1911, 195
  • Alois Plesser, Zur Kirchengeschichte des Waldviertels vor 1560. Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 11, St. Pölten 1932, 121–664, 480
  • Alois Plesser, Zur Geschichte des Waldviertels vor 1627. Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 12, St. Pölten 1939, 235
  • Alois Plesser, Zur Kirchengeschichte des Waldviertels vor 1627 (Teil 2). Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 13, St. Pölten 1951, 520 f.
  • Alois Plesser, Zur Kirchengeschichte des Waldviertels vor 1627 (Teil 3). Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 14, St. Pölten 1954, 157
  • Anton Friedrich Reil, Das Donauländchen der kaiserl. königl. Patrimonialherrschaften im Viertel Obermannhartsberg in Niederösterreich. Geographisch und historisch beschrieben. Wien 1835, 384
  • Brigitte Rigele, Die Maissauer. Landherren im Schatten der Kuenringer. Dissertation Universität Wien 1990, 127, 274 f.
  • Ursula Schmidt, Das Kopialbuch der Grabner. Studien zu der Urkundensammlung eines Rittergeschlechts vom 14. bis Anfang des 17. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt Heiratsabsprachen. Diplomarbeit Universität Wien 2002, 44
  • Gerald Winner (Bearb.), Urkundenbuch des aufgehobenen Chorherrenstiftes Sankt Pölten. 3. Teil, Nachträge 1401–1762. In Regestenform bearbeitet (Typoskript). St. Pölten 1983, Reg. 1026
  • Andreas Zajic, Die Inschriften des Politischen Bezirks Krems, gesammelt unter Benützung älterer Vorarbeiten und bearbeitet von Andreas Zajic. Die Deutschen Inschriften 72, Wiener Reihe Bd. 3: Die Inschriften des Bundeslandes Niederösterreich, Teil 3, Wien 2008, Kat.Nr. 45
  • Roman Zehetmayer, Kloster und Gericht. Die Entwicklung der klösterlichen Gerichtsrechte und Gerichtsbarkeit im 13. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Zisterze Zwettl. Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsbd. 40, Wien–München 2001, 48 (Anm. 351) und 88 (Anm. 79 f.)