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Hauptburgenname Limberg I
ID 808
weitere Burgennamen Oberes Haus
Objekt Hausberg|Burgstall|Erdwerk
KG Limberg
OG/MG/SG Maissau
VB Hollabrunn
BMN34 rechts 715203
BMN34 hoch 384200
UTM 33N rechts 0
UTM 33N hoch 0
Link auf NÖ-Atlas Lage auf Karte im NÖ-Atlas ...
Geschichte Im 2. V. d. 13. Jhs. erscheinen Maissauische Gefolgsleute mit der Bezeichnung "Zink/Cink", die in weiterer Folge mit der Ortsbezeichnung "von Lindenberg" mit Limberg in Verbindung gebracht werden können. Die regional ab dem späten 13. Jh. auf einigen Burgen nachweisbare ritterliche Familie der Zinken ist bis 1340 nachweisbar. Bereits zuvor erscheint "Hertwich de Wiltperch", Schwager von Walbrun und Heinrich Zink, der 1293 in den Besitz des "castrum apud Lindenberch" gelangt. Die Wildberger von Limberg verschwinden in der 2. H. d. 14. Jhs. aus den urk. Nachrichten. 1390 wird ein "ober Haus zu Limberk", 1412 im Maissauer Lehensbuch noch "das ober und nieder Haus zu Lymberg" genannt. Die Zerstörung der Anlage am Kirchhügel ist wohl in die Zeit der Hussitenkämpfe zwischen 1421/34 oder spätestens in die Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen der 2. H. d. 15. Jhs. zu setzen. Ein aus 1438 stammender Ablassbrief des Bf. v. Passau bezieht sich auf die verwüstete Kirche von Limberg. Die durchwegs dichte Besitzerreihe der Folgezeit ist wahrscheinlich auf den (jüngeren) Sitz in Tallage zu beziehen.
Text G.R., T.K., K.Kü.
Lage/Baubeschreibung Die ehem. Burg von Limberg ist im Bereich der hochgelegenen Filialkirche Hl. Jakob zu rekonstruieren. Diese liegt im westl. Teil des Dorfes auf einem breitgelagerten, relativ isolierten Felshügel am orographisch rechten Ufer des Schleinzbaches. Tlw. felsige Steilabfälle, besonders im W und N, gaben der Burgstelle ausreichenden Schutz. Reste der ehem. hausbergartigen Befestigung sind noch erkennbar, so der ehem. Halsgraben im O des Friedhof- und Kirchenbereiches, aus dem sich eine Wallstufe im N ausbildete. Der Bereich des alten Friedhofes beschreibt nach dem Bericht Schwammenhöfers den ehem., ca. 25 x 40 m großen Kernwerksbereich, an den ein etwas abgesetztes Vorwerkplateau schließt. Der von einer Umfassungsmauer umgebene Bereich setzt sich z. T. mit deutlichen, aber nur noch niedrigen Böschungen vom Umfeld ab. Das gesamte Areal ist durch die bereits längerwährende Nutzung als Friedhof, aber auch durch jüngste Erweiterungen desselben stark rezent überarbeitet, wesentliche Teile der Anlagen müssen als abgekommen betrachtet werden. Der bemerkenswerte Kirchenbau im Zentrum des ehem. Kernwerksbereiches bestand urspr. aus einem rom., 12 x 7,5 m großen Langhaus und einem 5,7 m breiten Rechteckchor. Dieser Bau wurde noch im Hochmittelalter durch einen W-Turm, im Spätmittelalter durch eine südl. angelegte Verbreiterung mit polygonalem Chorschluss ergänzt. Zonen mit hochmittelalterlichem Mauerwerk im S belegen die partielle Verwendung eines älteren Bauteiles, mglw. einer südl. angebauten Kapelle. Das unverputzt belassene Mauerwerk des Primärbaues verweist mit seinen streng lagigen Strukturen aus sehr sorgfältig hergestellten Quadern und dem durch hochgestellte Orthostaten gebildeten Eckverband in die 1. H. d. 12. Jhs. Der 4-gesch., sekundär angestellte W-Turm zeigt primäre Kreuzgratgewölbe und am Glockengeschoß tlw. ergänzte Biforen. Die Würfelkapitelle dieser Durchfensterung zeigen sparsamen, dekorativen Schmuck, die Basen sind mit Eckspornen versehen. Das Mauerwerk des Turmes weicht infolge des unregelmäßigen Bruchsteinmauerwerks, das dennoch der Einzellage verhaftet ist und ansatzweise "opus spicatum"-artige Einschübe zeigt, stark vom Langhaus ab und kann in das ausgehende 12. Jh. datiert werden. Jene Teile im S, die von einem älteren Baukörper stammen, sind durch sehr lagig ausgebildete, hammerrechte und vermutlich ebenfalls noch in das 12. Jh. datierbare Mauerstrukturen gekennzeichnet und zeigen Reste einer primären Befensterung. Tlw. darüber liegende Mauerkompartimente aus lagerhaftem Bruchsteinmauerwerk, durchbrochen von einem stark gefasten, schmalen Rundbogenfenster stammen mglw. von Veränderungen des 13. Jhs. Die Kirche wurde 1960 letztmalig einer Außenrestaurierung unterzogen, wobei auf die zahlreichen und wertvollen Befunde, wie die freiliegenden Mauerstrukturen, Rücksicht genommen wurde. Der Sakralbau verdeutlicht sowohl durch seine Größe als auch seine Zeitstellung eine Nähe zum ehem. Sitz im Sinne einer Burgkapelle bzw. -kirche. Die rechtliche Stellung während des Hochmittelalters, etwa als Eigenkirche der Herrschaftsinhaber, ist nach dem heutigen Forschungsstand jedoch noch offen. Der abgekommene Sitz kann nicht als unmittelbarer Vorgängerbau der Kirche gesehen, sondern muss an anderer Stelle im Burgareal gesucht werden, da die Nennung des 14. Jhs. auf einen noch in Verwendung stehenden Burgbau schließen lässt. Darauf deuten auch Oberflächenfunde hin, denn während auf dem Kirchhügel bislang nur urnerfelder- oder hallstattzeitliche Überreste gefunden wurden, stammen aus dem Friedhofsbereich Keramikfragmente des 12./13. Jhs.
Text G.R., T.K., K.Kü.
Erhaltungszustand/Begehbarkeit Ehem. Hausberg am Kirchhügel. Gelände zugänglich.
Literatur
  • Gerhard Reichhalter, Karin Kühtreiber, Thomas Kühtreiber (mit Beiträgen von Günter Marian, Roman Zehetmayer), Burgen Weinviertel (hg. v. Falko Daim). Wien 2005, 264 f.
  • Dehio Niederösterreich, nördlich der Donau (hg. v. Bundesdenkmalamt). Wien 1990, 674 f.
  • Brigitte Faßbinder, Theodor Brückler, Kunst im Bezirk Hollabrunn (hg. v. Stadtmuseum Alte Hofmühle Hollabrunn). Hollabrunn 1997, 82
  • Helmuth Feigl, Stadtgemeinde Maissau. In: Ernst Bezemek, Willibald Rosner (Hg.), Vergangenheit und Gegenwart. Der Bezirk Hollabrunn und seine Gemeinden. Hollabrunn 1993, 772–780, 775 ff.
  • Fundberichte aus Österreich (hg. v. Bundesdenkmalamt). Wien 1930 ff. 24–25/1985–86, 240
  • Karl Lechner (Hg.), Handbuch der Historischen Stätten Österreich 1, Donauländer und Burgenland. Stuttgart ²1985, 387
  • Karl Kafka, Wehrkirchen Niederösterreichs II. Wien (Birkenverlag) 1970, 141
  • Maximilian Weltin (unter Mitarbeit von Dagmar Weltin, Günter Marian, Christina Mochty-Weltin), Urkunde und Geschichte. Niederösterreichs Landesgeschichte im Spiegel der Urkunden seines Landesarchivs. Die Urkunden des Niederösterreichischen Landesarchivs 1109–1314. Niederösterreichisches Urkundenbuch Vorausband. St. Pölten 2004, 336 f.
  • Eduard Scheiterer, Heimatbuch Limberg. Hg. Stadtgemeinde Maissau). Maissau o. J. (1993), 44 ff., 82 ff.
  • Hermann Schwammenhöfer, Archäologische Denkmale III, Viertel unter dem Manhartsberg. Wien o. J. (1988), Nr. 52/2